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Schlafstörungen
Häufigkeit und Auswirkungen von Schlafstörungen
Untersuchungen in den westlichen Industrieländern haben gezeigt, dass 20-30 % der Bevölkerung
nicht so schlafen, wie sie sich es eigentlich wünschen. Dabei liegt bei der Hälfte der Betroffenen,
d. h. bei 10-15 %, eine schwere, behandlungsbedürftige Schlafstörung (Insomnie) vor. Diagnostiziert
wird eine Insomnie lediglich bei
25-30 % der Betroffenen und von diesen werden wiederum nur
60 % behandelt. Sehr viele seltener sind Schlafstörungen, die mit zuviel Schlaf einhergehen (Hypersomnie).
Unter Parasomnien versteht man Störungen der Schlafqualität, z.B. durch Albträume, Zähneknirschen oder
in Form von Schlafwandeln. Bestimmte neurologische Erkrankungen, wie z. B. das Syndrom der ruhelosen
Beine (Restless-legs-Syndrom) oder das Syndrom der periodischen Bewegungen im Schlaf führen zu
Schlafstörungen. Ein häufiges, harmloses Symptom ohne Krankheitswert ist ein gelegentliches
Zucken der Arme oder Beine während des Einschlafens (sog. Einschlafmyoklonien).
Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen von Schlafstörungen werden unterschätzt und
häufig auch übersehen. Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, herabgesetzte
Leistungsfähigkeit sind Folgen, die zu Beeinträchtigungen im gesellschaftlichen und beruflichen
Umfeld führen können. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass weniger die Anzahl der geschlafenen
Stunden ausschlaggebend ist, sondern dass es vor allem auf die Qualität des Schlafes ankommt.
Deshalb zielen moderne Therapien darauf ab, die Erholsamkeit des Schlafes zu verbessern. Eine
gute Schlafqualität ist auch zum Erhalt der Verschaltung von Nervenzellen (neuronale Plastizität)
wichtig. Während der Tiefschlafphasen erfolgt hierüber die Aufnahme, Festigung und Reaktivierung
von Erinnerungen.
Was sind Manie und Hypomanie?
Eine Manie ist gekennzeichnet durch eine übertrieben euphorische, teils auch gereizte
Stimmung, eine Antriebssteigerung, soziale Umtriebigkeit, Rededrang, übertriebene Vitalität,
Selbstüberschätzung und ein vermindertes Schlafbedürfnis. Unter Umständen können Größenideen,
übertriebene Geldausgaben, ein distanzloses Verhalten oder psychotische Symptome (z.B.
Größenwahn) auftreten. Diese Symptome müssen mindestens eine Woche andauern.
Von einer Hypomanie spricht man, wenn die genannten manischen Symptome in geringerer
Ausprägung auftreten und der Realitätsbezug erhalten bleibt. Eine Hypomanie entwickelt
sich nicht selten an eine depressive Episode und dauert dann meist zwei bis drei Wochen
(sog. hypomane Nachschwankung).
Ursachen
Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Eine Fülle unterschiedlichster
körperlicher Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schilddrüsenfunktionsstörungen,
Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Niere und der meisten anderen Organsysteme) können
Schlafstörungen auslösen. Ferner können Erkrankungen, welche mit nächtlichen Schmerzen
einhergehen, den Schlaf beeinträchtigen. Schlafstörungen sind auch bei vielen psychischen
Erkrankungen eines der wichtigsten Symptome, mitunter als Erst- oder Frühwarnsymptom.
Eine weitere Ursache sind nicht selten Medikamente, die Schlafdauer und -qualität negativ
beeinflussen können. Bei ca. 30% der Betroffenen liegen sogenannte primäre Insomnien vor;
dies bedeutet, dass keine körperliche oder psychische Ursache und keine anderen äußerlichen
Faktoren für die Schlafstörungen gefunden werden konnten. Bei Hypersomnien müssen z.B.
Narkolepsie oder ein Schlaf-Apnoe-Syndrom ausgeschlossen werden.
Diagnostik
Durch gezielte Diagnostik, ggf. auch unter Einschaltung einer ambulanten Untersuchung in
einem kooperierenden Schlaflabor, stellen wir die Ursache einer Schlafstörung und deren Auswirkungen
fest. Hiernach richtet sich dann die Behandlung.
Behandlungsstrategien
Leichte und vorübergehende Insomnien werden nur selten medikamentös behandelt. In vielen
Fällen können sich diese akuten Formen einer Insomnie durch den Wegfall von Störfaktoren
spontan wieder zurückbilden und der normale Schlafrhythmus wieder hergestellt werden.
Chronische Schlafstörungen bedürfen hingegen einer Therapie, die typischerweise aus
einer Verhaltenstherapie kombiniert mit schlafhygienischen Maßnahmen, einer Pharmakotherapie,
sporttherapeutischen Maßnahmen bzw. einer Kombination dieser genannten Verfahren besteht.
Medikamente
Bei Insomnien werden Benzodiazepine am häufigsten eingesetzt. Benzodiazepine reduzieren
den Tiefschlaf, beeinflussen den REM-Schlaf und haben ein nicht zu vernachlässigendes
Abhängigkeitspotential. Sie sind daher als längerfristiges Schlafmittel ungeeignet.
Antidepressiva haben ihren Platz bei depressiv verstimmten Patienten, Melatonin bei
Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus.
Neuere Schlafmittel (GABA-Agonisten) haben ein geringeres Abhängigkeitsrisiko und gelten als
schlafanstoßend. Sie haben keine gravierenden negativen Auswirkungen auf den Tiefschlaf.
Einige dieser Substanzen können jedoch die Psychomotorik und das Gedächtnis beeinträchtigen.
Zur Behandlung der Narkolepsie können z.B. Modafinil, Methylphenidat oder Natriumoxybat gegeben werden.
Wenn beim Restless-legs-Syndrom eine medikamentöse Behandlung notwendig sein sollte, werden zunächst
üblicherweise L-Dopa oder Dopaminagonisten verabreicht.
Wir bieten für unsere Patientinnen und Patienten alle gängigen diagnostischen und therapeutischen Verfahren,
entsprechend dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung an.