Ergotherapie



  1. Grundlegende Informationen zu Ergotherapie

Ergotherapie wird als Heilmittel vom behandelnden Arzt oder Psychologen verordnet. Hier wird dem Patienten die Möglichkeit gegeben, sich mit seiner Problematik auf der Handlungsebene auseinanderzusetzen. Im konkreten Tun können Fähigkeiten und Schwierigkeiten erkannt und neue Verhaltensweisen ausprobiert werden. Im anschließenden Gespräch wird das Vorgehen reflektiert. Im Handeln gemachte Erfahrungen werden in den Bezug zum Alltag des Patienten gesetzt.

In der Therapie kommen handwerkliche und gestalterische Techniken, lebenspraktische Übungen oder spezifische Trainingsprogramme zum Einsatz. Je nach zugrunde liegender Problematik, vorhandenen Stärken, individueller Zielsetzung, Krankheitsbild und Alter werden die Aktivitäten gezielt eingesetzt. Die Arbeitstherapie ist ein Bestandteil der Ergotherapieabteilung.

Nach der ärztlichen Verordnung erfolgt in der Regel ein Erstgespräch in einer Einzelsituation. Hier werden erste Ziele formuliert und die Gruppenzuordnung abgesprochen. Im Verlauf der Behandlung findet ein interdisziplinärer Austausch mit dem behandelnden Team statt.

  1. Beschreibung der drei Hauptmethoden

  • Bei der kompetenzzentrierten Methode werden vor allem handwerkliche Techniken eingesetzt um verloren gegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten zu erwerben und Fertigkeiten zu trainieren.
  • Die interaktionelle Methode ist eine prozessorientierte Ergotherapiegruppe, bei der die Auseinandersetzung der Gruppenmitglieder untereinander im Vordergrund steht.
  • Bei der ausdruckszentrierten Methode werden die Patienten durch gestalterische Angebote angeregt, sich mit ihren Gefühlen und dem Selbstbild auseinander zusetzen.

  1. Darstellung der ergotherapeutischen Angebote |«

  • Werkgruppen
    In den Werkgruppen erstellen die Bewohner mit unterschiedlichen Materialien und handwerklichen Techniken Dinge, die sie selbst behalten können. Hier erleben sie, welche Fähigkeiten sie besitzen und befassen sich mit ihren persönlichen Interessen. Kompetenzen können erhalten und gesteigert werden. Die Gruppen finden entweder häuserübergreifend in der Ergotherapieabteilung oder in den spezialisierten Häusern statt.
  • Aktivgruppen
    Die Aktivgruppen für gering belastbare Bewohner verbinden Gruppenerleben mit dem Training von Gedächtnisleistungen oder leichten handwerklichen Tätigkeiten. Siehe
  • Koch- und Backgruppen
    Alltagsnah werden durch Koch- und Backangebote das Planen, Einkaufen und Kochen von Speisen geübt. Das anschließende gemeinsame Essen in der Gruppe ermöglicht eine entspannte Kontaktaufnahme der Teilnehmer.
  • Theatergruppe
    Das wesentliche Element der Theatergruppe ist das Rollenspiel in all seinen Varianten. Die jeweiligen Projekte werden gemeinsam erarbeitet, geprobt und auf Video aufgenommen. Die Bewohner setzten sich kreativ-künstlerisch mit sich selbst und ihren Rollen auseinander. Der Gruppenprozess stützt sich auf interaktionelle und ausdruckszentrierte Methoden.
  • Wahrnehmungszentrierte Ergotherapie
    Die wahrnehmungszentrierte Ergotherapie findet zur Zeit für psychotisch erkrankte Patienten statt. Sie arbeitet mit den Methoden der Konzentrativen Bewegungstherapie und der Sensorischen Integrationstherapie. Der Patient erhält die Möglichkeit sich im Bewegen und Handeln bewusst wahrzunehmen. Persönliche Handlungsmuster können erkannt und neue Verhaltensweisen erprobt werden. Im anschließenden Gespräch werden die Erfahrungen reflektiert und ein Alltagsbezug hergestellt.
  • Arbeitstherapie- Kreativwerkstätten
    In den Kreativwerkstätten fertigen die Bewohner entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen handwerkliche Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien, die dem Verkauf zugeführt werden. In den Gruppen werden soziale Kontakte ermöglicht, der Alltag sinnvoll strukturiert sowie Fähigkeiten der Bewohner erhalten und ausgebaut. Die Offenheit für Neues wird angeregt.
  • Arbeitstherapieprojekt „Peddigrohr“
    In diesem Arbeitsprojekt werden an zwei Tagen in der Woche Peddigrohrwerkstücke für den Verkauf erstellt. Die Patienten erleben ihre Aufgabe als sinnvollen Arbeitsplatz, an dem sie eine Tätigkeit für die Klinik erbringen. Sie identifizieren sich mit der Arbeit, erhalten eine Wochenstruktur und erleben Kommunikation und Austausch untereinander. Handwerkliche Kompetenz wird gefördert, wiederkehrende Tätigkeiten bringen Sicherheit.
  • Arbeitstherapieprojekt „Vogel und Fledermaus“
    Die Projektgruppe „Vogel und Fledermaus“ bietet Bewohnern und Bewohnerinnen die Möglichkeit gemeinsam im Außenbereich der Klinik tätig zu werden. Zunächst wurden in der Holzwerkstatt unterschiedliche Nistkästen gebaut. Jetzt werden auf dem großen Parkgelände die Nistkästen gepflegt, Tiere und Natur beobachtet. Damit werden die Wahrnehmung der Umwelt und das Verantwortungsbewusstsein geschult und verbessert. Das gemeinsame Erleben und tätig werden fördert das Gemeinschaftsgefühl, gibt Bestätigung und verbessert das Selbstwertgefühl. Im Aufbau befindet sich die Übernahme der Pflege eines Teils des Parks der Klinik durch die Gruppenteilnehmer.
  • Arbeitstherapie –Nähstube
    Die Nähstube findet zweimal wöchentlich für zwei Stunden statt. Die Bewohner erbringen eine Dienstleitung für die Klinik indem sie Nähaufträge anderer Abteilungen umsetzen oder die Bekleidung anderer Heimbewohner reparieren. Sie erleben sich sinnvoll tätig, was die Motivation und das Selbstwertgefühl hebt. Trainiert werden können zudem problemlösendes Denken und Handeln sowie spezielle feinmotorische Fähigkeiten. Durch die Auseinandersetzung über die zu liefernde Qualität werden die Selbsteinschätzung und die Kritikfähigkeit gefördert.
  • Arbeitstherapie-Holzwerkstatt
    Die Arbeitstherapie in der Holzwerkstatt ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Stabilisierung und Verbesserung von grundlegenden arbeitsrelevanten Fähigkeiten. Dabei orientiert sie sich an den Anforderungen der Arbeitswelt und berücksichtigt den individuellen Hintergrund des Patienten. Sie stellt außerdem eine tages- und wochenstrukturierende Maßnahme dar. Nach der Stabilisierungsphase ist eine Erprobung der physischen und psychischen Belastbarkeit bis zu dreimal drei Stunden wöchentlich möglich.
  • Arbeitstherapie- Sitzmöbelwerkstatt
    In der Sitzmöbelwerkstatt werden Stuhlgeflechte verschiedener Art repariert. Die Sitzmöbelwerkstatt bietet einen realitätsnahen Trainingsbereich für Bewohner und Bewohnerinnen des Heimbereichs. Nach einer Einstiegsphase in der Holzwerkstatt können hier Bewohner und Bewohnerinnen neue Kompetenzen in einem weiteren spezifischen Bereich erwerben.
  • Arbeitstherapie-Fahrradwerkstatt
    In der Arbeitstherapie- Fahrradwerkstatt werden die klinikeigenen Fahrräder. Rollstühle und Rollatoren instandgesetzt und gewartet. Die Fahrradwerkstatt bietet einen realitätsnahen Trainingsbereich für Bewohner und Bewohnerinnen des Heimbereichs. Nach einer Einstiegsphase in der Holzwerkstatt können hier Bewohner und Bewohnerinnen neue Kompetenzen in einem weiteren spezifischen Bereich erwerben
  • Arbeitstherapie – Büro
    Ausgehend von den meist geringen Vorkenntnissen der Bewohner werden die Grundlagen im Umgang mit dem Computer und seine Anwendungsmöglichkeiten vermittelt. So lernen oder vertiefen die Bewohner die Handhabung elektronischer Medien. Neben dem Training kognitiver Fähigkeiten können Interessen geweckt und das Selbstwertgefühl gesteigert werden. Die Übertragung der neuen Erfahrungen in den Alltag -beispielsweise als Freizeitgestaltung- ist möglich.

  1. Ergotherapie für ältere Menschen |«

Die spezielle ergotherapeutische Behandlung älterer Menschen unterstützt die psychische Stabilisierung der Patienten durch gezielte Aktivitäten. Parallel dazu liegt unser Augenmerk auf der Handlungsfähigkeit im Alltag. Es wird – eingebettet in das Gesamtbehandlungskonzept – abgeklärt, welche Fähigkeiten der Patient benötigt um nach der Entlassung seinen Alltag nach seinen Vorstellungen zu bewältigen und ob hierbei Unterstützung erforderlich ist. In den Bereichen Selbstversorgung, Freizeitgestaltung und gesellschaftliche Teilhabe gilt es, vorhandene Fähigkeiten zu nutzen und Interessen zu berücksichtigen um die Lebensqualität zu erhalten oder wieder zu erlangen.

Folgende Therapieangebote bieten wir an:

  • Die Werkgruppen mit unterschiedlichen Materialien und Techniken dienen der Stabilisierung des psychischen Befindens, der Aktivierung und der Erhöhung der Belastbarkeit. Sie ermöglichen ein Tun in der Gruppe, können einen Austausch im Gespräch anregen. Die Gruppen können an bekannte Werktechniken anknüpfen oder bei Bedarf der Hobbyfindung dienen.
  • Das kognitive Training in der Aktivgruppe für depressive Patienten schult sowohl Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit als auch derzeitig eingeschränkte kognitive Funktionen wie Konzentration und Aufmerksamkeit. Zum Einsatz kommen Spiele, Rätsel, Geschichten, Gedächtnistraining und Angebote zur Wahrnehmungsschulung.
  • Die Koch- und Backgruppe unterstützt die Erhaltung oder Erlangung von Haushaltsfähigkeiten. Die Zusammenarbeit in der Kleingruppe fördert soziale Fähigkeiten.
  • Der Singkreis aktiviert auch schwächere Teilnehmer. Hier werden Kontakt- und Kommunikation sowie Beweglichkeit gefördert und das Langzeitgedächtnis angeregt. Das Angebot setzt sich aus Gesang, Rhythmik und Bewegung zusammen und wird durch Elemente der Aktivgruppe ergänzt.
  • Die Einzeltherapie bietet sich an, falls nicht sicher ist, ob eine Rückkehr in die häusliche Umgebung möglich ist. Hier können erforderliche Fähigkeiten, beispielsweise zur Selbstversorgung, beübt werden. Außerdem kann sie für Patienten sinnvoll sein, die aufgrund ihrer derzeitigen Verfassung noch nicht in eine Gruppe integriert werden können.

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