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PRIVAT-NERVEN-KLINIK

DR. MED. KURT FONTHEIM

Lindenstraße 15

38704 Liebenburg

 

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1. Grundlegende Informationen zu Ergotherapie

Ergotherapie wird als Heilmittel vom behandelnden Arzt oder Psychologen verordnet. Hier wird dem Patienten die Möglichkeit gegeben, sich mit seiner Problematik auf der Handlungsebene auseinanderzusetzen. Im konkreten Tun können Fähigkeiten und Schwierigkeiten erkannt und neue Verhaltensweisen ausprobiert werden. Im anschließenden Gespräch wird das Vorgehen reflektiert. Im Handeln gemachte Erfahrungen werden in den Bezug zum Alltag des Patienten gesetzt.

In der Therapie kommen handwerkliche und gestalterische Techniken, lebenspraktische Übungen oder spezifische Trainingsprogramme zum Einsatz. Je nach zugrunde liegender Problematik, vorhandenen Stärken, individueller Zielsetzung, Krankheitsbild und Alter werden die Aktivitäten gezielt eingesetzt. Die Arbeitstherapie ist ein Bestandteil der Ergotherapieabteilung.

Nach der ärztlichen Verordnung erfolgt in der Regel ein Erstgespräch in einer Einzelsituation. Hier werden erste Ziele formuliert und die Gruppenzuordnung abgesprochen. Im Verlauf der Behandlung findet ein interdisziplinärer Austausch mit dem behandelnden Team statt.

2. Beschreibung der drei Hauptmethoden

  • Bei der kompetenzzentrierten Methode werden vor allem handwerkliche Techniken eingesetzt um verloren gegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten zu erwerben und Fertigkeiten zu trainieren.
  • Die interaktionelle Methode ist eine prozessorientierte Ergotherapiegruppe, bei der die Auseinandersetzung der Gruppenmitglieder untereinander im Vordergrund steht.
  • Bei der ausdruckszentrierten Methode werden die Patienten durch gestalterische Angebote angeregt, sich mit ihren Gefühlen und dem Selbstbild auseinander zusetzen.

3. Darstellung der ergotherapeutischen Angebote

3.1 Klinikbereich

  • Erstgespräch
    Im Erstgespräch findet der erste Kontakt mit dem Patienten statt. Hier wird im Einzelgespräch erklärt, was Ergotherapie ist und gemeinsam mit dem Patienten dessen Interessen, Wünsche und erste Ziele erarbeitet.

  • Werkgruppen
    Die Werkgruppen sind differenziert nach der momentanen Befindlichkeit, den Fähigkeiten und dem Krankheitsbild des Patienten. Durch gezielt ausgewählte Materialien, Techniken und Methoden kann der Patient im konkreten Handeln erleben, welche Stärken er hat, wie er sich psychisch stabilisieren kann und in welchen Bereichen er Veränderungen anstrebt. Neue Verhaltensweisen können in diesem geschützten Rahmen erprobt werden. Gespräche dienen der Bewusstmachung des eigenen Verhaltens und der Reflektion. Zum Einsatz kommen verschiedene gestalterisch-kreative Techniken und Werktechniken. Die Dauer variiert zwischen 1-2 Stunden.

  • Projektgruppe
    In der Projektgruppe haben Patienten die Möglichkeit, im Rahmen einer handwerklichen Gruppenarbeit ihre sozialen Kompetenzen kennenzulernen, auszubauen und zu reflektieren. In diesem Übungsfeld können Patienten ihre Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit ausprobieren und im geschützten Rahmen Rückmeldungen von den anderen Teilnehmern erhalten. In der Begegnung mit den unterschiedlichen Mitpatienten spiegeln sich Alltagssituationen, z.B. im Umgang mit Arbeitskollegen, wider. Die Gruppe ist besonders geeignet für Patienten, die während ihres Aufenthaltes auf Station an der Gruppe „Training sozialer Kompetenzen“ teilnehmen.

  • Gestaltungsgruppe
    In der Gestaltungsgruppe wird der Zugang zu den eigenen Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen durch kreativ- gestalterische Medien erweitert. In dieser ausdruckszentrierten Methode werden innere Bilder des Patienten durch bildnerische und plastische Medien sichtbar gemacht. Die Gestaltungsgruppe bietet die Möglichkeit eines nonverbalen Ausdrucks der im Anschluss in der Gruppe reflektiert wird. So werden die Selbstwahrnehmung und das Selbstbild stabilisiert. Die Gestaltungsgruppe ist eine sinnvolle Ergänzung zu psychotherapeutischen Einzelgesprächen.

  • Wahrnehmungszentrierte Ergotherapie
    Die wahrnehmungszentrierte Ergotherapie findet zur Zeit für psychotisch erkrankte Patienten statt. Sie arbeitet mit den Methoden der Konzentrativen Bewegungstherapie und der Sensorischen Integrationstherapie. Der Patient erhält die Möglichkeit sich im Bewegen und Handeln bewusst wahrzunehmen. Persönliche Handlungsmuster können erkannt und neue Verhaltensweisen erprobt werden. Im anschließenden Gespräch werden die Erfahrungen reflektiert und ein Alltagsbezug hergestellt.

  • Kochgruppe
    In der Kochgruppe können Patienten, die nach dem Klinikaufenthalt in den eigenen Haushalt zurückkehren, in einer Kleingruppe die zum Kochen gehörenden Tätigkeiten üben. Es wird gemeinsam geplant, eingekauft, gekocht und gegessen. Die Gruppe ist geeignet für Patientinnen und Patienten, die sich nicht mehr selbst versorgt haben, unsicher sind, ob sie es noch können oder es aufgrund veränderter Lebensumstände erstmals probieren wollen.

  • Hirnleistungstraining
    Im Hirnleistungstraining werden durch gezielte Aufgaben verschiedene Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisleistungen beübt. Im Anschluss an die Übungen kann im Gespräch geklärt werden, ob und wie sich kognitive Probleme im Alltag darstellen und welche Strategien sich im Umgang damit anbieten. In speziellen Variationen wird kognitives Training durchgeführt für schizophren erkrankte Menschen (siehe Cogpack) und für ältere Menschen (siehe Aktivgruppen).

  • Einzeltherapie
    In der Einzeltherapie können alltagbezogene Ziele verfolgt werden, die aufgrund ihrer individuellen Ausrichtung nicht in den sonstigen vorhandenen Gruppenangeboten bearbeitet werden können. Häufig sind es lebenspraktische Tätigkeiten, z.B. Haushaltstraining. Außerdem ist Einzeltherapie sinnvoll für Patienten, die derzeit noch nicht in der Lage sind, sich in eine Gruppe zu integrieren.

  • Cogpack
    Cogpack ist ein computergestütztes Trainingsprogramm, das für schizophren erkrankte Menschen entwickelt wurde. In Variationen kann es auch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz kommen. Das Programm beübt kognitive Funktionen wie Konzentration, Reaktion, Verarbeitung komplexen Materials, Strategienbildung, Gedächtnisaufgaben, Rechnen und Logik. Durch die unmittelbare, neutrale Rückmeldung über das Computerprogramm selbst und die Auswertungsgespräche mit dem Therapeuten werden zusätzlich sowohl Selbstwahrnehmung als auch Selbsteinschätzung gefördert.

  • Arbeitstherapie – Büro
    Durch die für viele Patienten motivierende Arbeit am Computer und die Durchführung anderer Bürotätigkeiten werden in der Büro-Arbeitstherapie vorhandene Arbeitsfähigkeiten aktiviert, trainiert oder neu gelernt. Die Patienten werden an grundlegende Aufgaben im Bereich der Büroarbeit herangeführt. Erlernt werden der Umgang mit Computern, mit den entsprechenden Anwendungsprogrammen sowie einfache Büroaufgaben. Dieses fördert kognitiver Fähigkeiten, Flexibilität und Selbsteinschätzung.

  • Arbeitstherapie-Holzwerkstatt
    Die Arbeitstherapie in der Holzwerkstatt ermöglicht den Patientinnen und Patienten eine Stabilisierung und Verbesserung grundlegender arbeitsrelevanter Fähigkeiten. Dabei orientiert sie sich an den Anforderungen der Arbeitswelt und berücksichtigt den individuellen Hintergrund des Patienten. Die Patienten erstellen nach Vorgaben der Therapeuten Werkstücke aus Holz, die sich im Anforderungsprofil unterscheiden. Da die Werkstücke im Anschluss verkauft werden, sollen sie definierten Ansprüchen entsprechen. Nach der Stabilisierungsphase ist eine Erprobung der physischen und psychischen Belastbarkeit bis zu fünfmal drei Stunden wöchentlich möglich.

  • Samstagsworkshop
    Der Samstagsworkshop ist ein Freizeitangebot für die Patienten am Wochenende. Über einen Zeitraum von drei Stunden können Patienten nach eigenen Interessen Werktechniken ausprobieren und erhalten dabei Unterstützung durch die Therapeuten.

  • Gerontopsychiatrische Gruppen
    Die Auflistung der Spezialangebote für ältere Patienten finden Sie hier.

4. Ergotherapie für ältere Menschen

Die spezielle ergotherapeutische Behandlung älterer Menschen unterstützt die psychische Stabilisierung der Patienten durch gezielte Aktivitäten. Parallel dazu liegt unser Augenmerk auf der Handlungsfähigkeit im Alltag. Es wird – eingebettet in das Gesamtbehandlungskonzept – abgeklärt, welche Fähigkeiten der Patient benötigt um nach der Entlassung seinen Alltag nach seinen Vorstellungen zu bewältigen und ob hierbei Unterstützung erforderlich ist. In den Bereichen Selbstversorgung, Freizeitgestaltung und gesellschaftliche Teilhabe gilt es, vorhandene Fähigkeiten zu nutzen und Interessen zu berücksichtigen um die Lebensqualität zu erhalten oder wieder zu erlangen.

Folgende Therapieangebote bieten wir an:

  • Die Werkgruppen mit unterschiedlichen Materialien und Techniken dienen der Stabilisierung des psychischen Befindens, der Aktivierung und der Erhöhung der Belastbarkeit. Sie ermöglichen ein Tun in der Gruppe, können einen Austausch im Gespräch anregen. Die Gruppen können an bekannte Werktechniken anknüpfen oder bei Bedarf der Hobbyfindung dienen.
  • Das kognitive Training in der Aktivgruppe für depressive Patienten schult sowohl Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit als auch derzeitig eingeschränkte kognitive Funktionen wie Konzentration und Aufmerksamkeit. Zum Einsatz kommen Spiele, Rätsel, Geschichten, Gedächtnistraining und Angebote zur Wahrnehmungsschulung.
  • Die Koch- und Backgruppe unterstützt die Erhaltung oder Erlangung von Haushaltsfähigkeiten. Die Zusammenarbeit in der Kleingruppe fördert soziale Fähigkeiten.
  • Der Singkreis aktiviert auch schwächere Teilnehmer. Hier werden Kontakt- und Kommunikation sowie Beweglichkeit gefördert und das Langzeitgedächtnis angeregt. Das Angebot setzt sich aus Gesang, Rhythmik und Bewegung zusammen und wird durch Elemente der Aktivgruppe ergänzt.
  • Die Einzeltherapie bietet sich an, falls nicht sicher ist, ob eine Rückkehr in die häusliche Umgebung möglich ist. Hier können erforderliche Fähigkeiten, beispielsweise zur Selbstversorgung, beübt werden. Außerdem kann sie für Patienten sinnvoll sein, die aufgrund ihrer derzeitigen Verfassung noch nicht in eine Gruppe integriert werden können.