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PRIVAT-NERVEN-KLINIK

DR. MED. KURT FONTHEIM

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Somatoforme Störungen

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Jeder Mensch kennt vorübergehende, harmlose Beschwerden wie z.B. Rücken- oder Bauchschmerzen, Schwindel etc., die z.B. in Situationen auftreten, in denen sehr viel Stress, Ärger und Anspannung vorhanden sind und die von selbst verschwinden,nachdem die Situation vorüber ist.
Dennoch beeinträchtigen sie das allgemeine Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität. Solche Beschwerden können auch chronisch werden, zu häufigen Arztkontakten und zu oft unnötigen diagnostischen Untersuchungen führen. Trotz intensiver Diagnostik wird keine organische Ursache gefunden. Diese Symptome führen bei den Betroffenen zu erheblichen Beeinträchtigungen im privaten und beruflichen Leben und bringen für alle Beteiligten viel Unmut, das Gefühl des „Nichtverstandenwerdens“ und zusätzliche Kosten.

Es handelt sich hierbei um psychische Störungen, die im Wesentlichen durch körperliche Symptome gekennzeichnet sind, ohne dass eine eigentliche organische Krankheit dahintersteckt. Die Symptomatik entzieht sich der bewussten Kontrolle des Betroffenen. Bei den meisten Betroffenen spielen psychische Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung eine große Rolle. Frauen sind häufiger als Männer betroffen, der Erkrankungsbeginn liegt oft im frühen Erwachsenenalter.

Typisch sind immer wieder auftretende und häufig wechselnde Symptome, die oft schon seit Jahren bestehen. Die Beschwerden können sich auf jedes Körperteil und jedes Körpersystem beziehen. Häufig finden sich Störungen des Magen-Darm-Trakts, an Gelenken, Muskeln oder abnorme Hautempfindungen. Begleitend können Angst oder Depressionen hinzukommen. Zusätzlich kann sich eine Medikamentenabhängigkeit entwickeln.

Besondere Unterformen sind u. a. die somatoforme Schmerzstörung, bei der unterschiedliche, teils starke und andauernde Schmerzen ohne organische Ursache bestehen oder die somatoforme autonome Funktionsstörung, die durch objektivierbare Symptome einer vegetativen Stimulation wie z. B. Herzklopfen, Schwitzen, Erröten, Zittern oder ähnlichem gekennzeichnet ist. Eine typische Befürchtung der Betroffenen ist, einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu sterben.

Entstehungsbedingungen:

Die Ursachen sind komplex, viele Einflüsse prägen den Krankheitsverlauf und sind nicht immer einfach zu erfassen. Eine Rolle in der Entstehung spielen Stressfaktoren im sozialen, familiären oder berufliche Umfeld, die Persönlichkeit mit ihrer Wahrnehmung, Verarbeitung und Ressourcen, Krankheitskonzepte in der Familie, Erfahrungen, kulturelle Normen sowie genetische Aspekte, die z.B. die körpereigene Empfindlichkeit und das Reaktionsvermögen betreffen.

Auch falsch verarbeitete Gefühle wie Panik, Angst, Depressionen oder Aggression spielen eine Rolle. Die entstehenden körperlichen Beschwerden führen zu wiederholten Arztbesuchen oder Alarmierungen des Notarztes. Dass keine Ursache für die Beschwerden gefunden wird, führt nur zu kurzfristiger Erleichterung. Häufig treten Symptome später wieder auf und können sich im Verlauf weiter verstärken.

Diagnostik

Für die Diagnose müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • mindestens zwei Jahre anhaltende vielfältige und unterschiedliche körperliche Symptome, für die keine ausreichende somatische Erklärung gefunden wurde
  • immer wieder erneutes Aufsuchen von Ärzten, um doch eine körperliche Erklärung für die Symptome zu finden
  • eine Beeinträchtigung familiärer und sozialer Funktionen durch die Art der Symptome und das daraus resultierende Verhalten

 

Wichtig ist es, psychiatrische und somatische Differentialdiagnosen, wie z.B. Angst- oder Panikstörungen, depressive Erkrankungen sowie im somatischen Bereich z.B. Multiple Sklerose oder Lupus erythematodes zuvor auszuschließen.

Therapie

Wichtig ist es, einen umfassenden Therapieansatz zu erarbeiten und die Zusammenarbeit aller an der Behandlung beteiligten zu koordinieren und zu verbessern. In der Behandlung dieser Erkrankungen geht es vor allem um:

  • die Verringerung von Stressfaktoren
  • die Begrenzung der Folgen im Beruf, Familie und sozialem Umfeld sowie der Verbesserung der Lebensqualität
  • die Reduktion der Symptome die Begrenzung der Arztkontakte

Diese Ziele gelten sowohl für die ambulante als auch stationäre Behandlung. Bei schwierigen Krankheitsverläufen ist häufig eine stationäre Aufnahme erforderlich, um zunächst eine Entlastung zu schaffen. Herausgelöst aus dem Alltag, können die Betroffenen sich dann intensiv mit der Erkrankung auseinandersetzen.Dazu gehören, auslösende Faktoren aufzufinden, aktuelle Belastungen zu benennen, symptomverstärkende Ursachen zu begrenzen, Ressourcen zu aktivieren und außerdem psychische Begleiterkrankungen festzustellen, begleitende Ängste oder depressive Symptome, wenn notwendig, auch medikamentös zu behandeln oder auch eine Entgiftung bei Medikamentenabhängigkeit durchzuführen.In unserer Klinik stehen stationär und ambulant erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten zur Verfügung. Wir bieten als Behandlungskonzept Psychoedukation, Einzel- und Gruppengesprächs- und -verhaltenstherapie je nach begleitender psychiatrischer Störung, Stressmanagement, Entspannungstraining und eine umfassende symptomorientierte Behandlung in unserer physikalischen Abteilung.Wenn notwendig werden in die Psychotherapie Teile der Biografie oder auch die Familie einbezogen. Gegebenenfalls wird eine Entgiftung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Alkohol durchgeführt oder eine vorsichtige antidepressive oder angstlösende Medikation eingeführt. Oft lassen sich die Symptome aufgrund der Chronizität der Beschwerden nur langsam bessern. Bis dahin ist es wichtig, mit den verbleibenden Symptomen gut leben zu können, eine Arbeitsfähigkeit zu erhalten und mehr Lebensqualität zu erreichen. Hierzu ist meist eine längerfristige ambulante Therapie erforderlich.