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PRIVAT-NERVEN-KLINIK

DR. MED. KURT FONTHEIM

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Psychose

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Psychotische Symptome treten bei vielen psychiatrischen Erkrankungen min-destens vorübergehend auf. Sie werden auch bei unterschiedlichen somatischen Erkrankungen, nach Schlafentzug oder bei Intoxikationen beobachtet. Zu verstehen sind unter psychotischen Symptomen Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen und Denkstörungen. Oft kommen dazu Aggressivität, Erregtheit, innere Unruhe, psychomtorische Unruhe, Anspannung und eigen- oder fremdgefährdendes Verhalten. Psychotische Symptome treten vorwiegend bei Schizophrenie, Demenz, affektiven Erkrankungen (Depressionen, Manien) und im Delir auf.

Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis sind mit einer Inzidenz von 1% die häufigsten psychotischen Erkrankungen; sie betreffen Menschen aller Kulturen und aller Biographien. Sie beeinflussen die gesamte Persönlichkeit der Betroffenen: Kognition, Antrieb, Wahrnehmung, Affektivität, Ich-Erleben und Verhalten. Charakteristisch sind akustische Halluzinationen in Form von Stimmenhören, Wahnvorstellungen, Ich-Störungen in Form von Gedankeneingebung, -ausbreitung, -entzug und ein Gefühl des Gemachten, katatone Symptome, aber auch inadäquate Affekte, Verlust an Interesse und Initiative, Sprachverarmung, Antriebsstörungen, soziale Passivität und Apathie, Mangel an Spontaneität. Die Symptome können jeweils unterschiedlich ausgeprägt sein. Je nachdem welche Symptome im Vordergrund stehen gibt es verschiedene Formen der schizophrenen Psychosen:

1. Paranoide Schizophrenie:
Sie ist die häufigste Unterform der Schizophrenie; sie ist geprägt von Wahnphänomenen, Ich-Störungen und akustischen Halluzinationen. Als Wahnthemen lassen sich Beziehungs- und Beeinträchtigungsideen, Verfolgungswahn, Größenideen oder wahnhafte religiöse Überzeugungen identifizieren.

2. Hebephrene Schizophrenie:
Beginnt meist schleichend zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr, ist gekennzeichnet durch einen verflachten und unangemessenen Affekt und Desorganisation von Sprache und Verhalten. Auffällig ist der Mangel an Selbstreflexion und Selbstkritik; erhebliche Defizite in der sozialen Wahrnehmung und Kommunikation.

3. Katatone Schizophrenie:
Im Vordergrund stehen psychomotorische Störungen; es können sowohl Erregung als auch Verlangsamung, Hemmung sowie abnorme, bizarr anmutende Körperhaltungen beobachtet werden.

4. Undifferenzierte Schizophrenie:
Die Diagnose kann erst dann gestellt werden, wenn die diagnostischen Kriterien den oben beschriebenen Formen nicht erfüllt werden.

5. Schizophrenia simplex:
Die Störung beschreibt ein seltenes Zustandsbild mit schleichender Progredienz, intellektuellen Defiziten, ohne dass jedoch zuvor eine akute psychotische Symptomatik, z. B. Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, festzustellen gewesen wären. Im Vordergrund stehen der Verlust von Initiative, Spontaneität und Mangel an Vitalität und Dynamik.

6. Schizophrener Residualzustand:
Mit dem Begriff wird das chronische Stadium im Verlauf einer schizophrenen Psychose bezeichnet; dominierend sind vor allem Negativ- oder Minussymptome in Form von Affektverflachung, Antriebsdefizit, Interesseverlust, Verlust sozialer Kommunikation.

Darüber hinaus können abgegrenzt werden:

1. Wahnhafte Störung:
Diese Erkrankungen treten eher selten auf. Im Vordergrund steht ein monothematischer und lang an- haltender Wahn mit unterschiedlicher Dynamik. Die Wahninhalte sind mannigfaltig und können z. B. als Beeinträchtigung und Verfolgungswahn, Liebeswahn, Eifersuchtswahn, Größenwahn oder körperbezogenem Wahn in Erscheinung treten.

2. Werden sowohl psychotische als auch affektive (depressive oder manische) Symptome gleichzeitig beobachtet, wird die Diagnose einer schizoaffektiven Störung gestellt.

Bei den ersten Symptomen der schizophrenen Psychosen handelt es sich überwiegend um weitgehend unspezifische Beschwerden, die im Durchschnitt schon etwa fünf Jahre vor der ersten Diagnose und Behandlung bestehen. Viele Patienten klagen über zunehmende Geräusch- und Lärmempfindlichkeit, innere Unruhe, Nervosität, Anspannung und unbestimmte Ängste. Es treten Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit und sozialer Rückzug auf. Es erkranken vor allem Personen zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. Männer erkranken ca. 4 bis 5 Jahre früher als Frauen. Die Krankheit kann in Schüben mit einer vollständigen Remission verlaufen. Ein Drittel der Patienten weist einen chronisch schweren Verlauf mit bleibender Behinderung auf. Die Sympto-me der Schizophrenie sind von Patient zu Patient verschieden; der Schweregrad reicht von leicht bis schwer.

Ursachen und Auslöser

Bei schizophrenen Psychosen geht man heute von einer multifaktoriellen Genese aus, in der das Zusammentreffen einer genetisch determinierten Vulnerabilität (Empfindlichkeit) mit psychosozialen Stressfaktoren für das Ausbrechen der Erkrankung verantwortlich gemacht wird. Unter Einfluss von Stress kommt es zu einer Dysregulation von verschiedenen Botenstoffen im Gehirn, besonders das Dopamin. Bei einer unbehandelten Psychose kommt es im Gehirn zum Überschuss von Dopamin, besonders im sogenannten limbischen System.

Diagnosestellung

Die Diagnose wird mit Hilfe eines ausführlichen ärztlichen Gesprächs, Verhaltensbeobachtung, Angaben von Angehörigen, körperlicher Untersuchung und apparativen Untersuchungen wie CCT, MRT, EEG, Nervenwasseruntersuchung, Labor (Blut, Urin) gestellt. Wir bieten eine Spezialsprechstunde zur Früherkennung von Psychosen an (s. Ambulanz).

Behandlung

Ein zentraler Teil der Behandlungsstrategie bei schizophrenen Psychosen ist eine medikamentöse Behandlung mit Antipsychotika gemeinsam mit psychosozialer Unterstützung. Zu den basalen Therapieprinzipien zählen tagesstrukturierende Maßnahmen, Psychoedukation mit umfassender Aufklärung über die Erkrankung, Erarbeitung besonders der Frühwarnzeichen und eines Krisenplans. Wir bieten darüber hinaus verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel- und Gruppentherapie, das Integrierte Psychologische Therapieprogramm, Training sozialer Fähigkeiten, BELA (Ernährungsprogramm), Gesprächstherapie und ergänzende Therapien wie Ergo-, Arbeits- und Bewegungstherapien sowie Berufsförderungsprogramme an.

Wir haben eine spezialisierte Station zur Behandlung und Betreuung von an schizophrenen Psychosen erkrankten Menschen. Unser Konzept beinhaltet alle oben beschriebenen Behandlungsstrategien, die individuell zur Anwendung kommen. Teil unseres Therapieprogramms ist auch die Teilnahme von Angehörigen an Angehörigengruppen, wo sie mit anderen Betroffenen ihre Erfahrungen austauschen können. Zusätzlich findet dort eine Informationsvermittlung über Psychosen und deren Behandlungsmöglichkeiten statt. Durch die Teilnahme in diesen Gruppen erfahren die Angehörigen emotionale Entlastung.