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DR. MED. KURT FONTHEIM

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Persönlichkeitsstörungen

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Persönlichkeitsstörungen sind gekennzeichnet durch tief verwurzelte, starre Muster des Erlebens und Verhaltens, die dazu führen, dass die Betroffenen sich häufig nach ähnlichem Muster sich wiederholenden, für sie ungünstigen Situationen in verschiedenen Lebensbereichen (Partnerschaft, Beruf etc.) ausgesetzt sehen, die sich wie ein „roter Faden“ durch ihr Leben ziehen, und die sie aus eigener Kraft nicht zu verändern vermögen. Kognition (Wahrnehmung und Interpretation von Menschen und Ereignissen; Einstellungen gegenüber und Vorstellungen von sich und anderen), Affektivität (Variationsbreite, Intensität und Angemessenheit der emotionalen Ansprechbarkeit und Reaktion), Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung sowie zwischenmenschliche Beziehungen und die Art des Umgangs mit ihnen unterscheiden sich bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen deutlich von der Norm (statistische überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sowie die zugehörigen kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben). Dies führt sehr häufig zu erheblichen zwischenmenschlichen Konflikten, oft einhergehend mit persönlichem Leiden und gestörter psychischer und sozialer Funktionsfähigkeit bei den Betroffenen. Die Ausbildung einer Persönlichkeitsstörung zeichnet sich häufig bereits in der späten Kindheit bzw. Adoleszenz ab und stellt im Erwachsenenalter ein einseitiges und eingeengtes Repertoire an Denken, Fühlen und Handeln dar, wobei das gesamte Spektrum von Persönlichkeitseigenschaften und dem Menschen gegebenen Möglichkeiten des Erlebens und Verhaltens zu Gunsten der akzentuierten Persönlichkeitsmerkmale eingeschränkt ist. Etwa 5 – 15 % der Allgemeinbevölkerung sind betroffen, das Geschlechterverhältnis ist bei den einzelnen Persönlichkeitsstörungen unterschiedlich, insgesamt weitgehend ausgeglichen.

Unterschieden werden meist folgende Persönlichkeitsstörungen, bei denen der in Klammern bezeichnete Persönlichkeitsstil pathologisch übersteigert ist:

  • zwanghafte Persönlichkeitsstörung (gewissenhaft, sorgfältig)
  • narzisstische Persönlichkeitsstörung (ehrgeizig, selbstbewusst)
  • histrionische Persönlichkeitsstörung (expressiv, emotional)
  • paranoide Persönlichkeitsstörung (wachsam, misstrauisch)
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung (sprunghaft, spontan)
  • dependente Persönlichkeitsstörung (anhänglich, loyal)
  • schizoide Persönlichkeitsstörung (zurückhaltend, einsam)
  • passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung (kritisch, zögerlich)
  • selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (selbstkritisch, vorsichtig)
  • schizotype Störung (ahnungsvoll, sensibel)
  • anitisoziale bzw. dissoziale Persönlichkeitsstörung (abenteuerlich, risikofreudig)

Viele Persönlichkeitsstörungen bergen das Risiko einer Entwicklung oder Exazerbation einer anderen psychischen Erkrankung, z. B. Depression, Suizidalität, Dissoziationsneigung, Abhängigkeitserkrankung, Angststörung, Zwangsstörung, Essstörung. Zudem führen Persönlichkeitsstörungen nicht selten dazu, dass die Betroffenen ihre existenziellen Pflichten nicht mehr erfüllen können, letztlich an sich selbst und dem Leben scheitern.

Lange Zeit galten Persönlichkeitsstörungen als weitgehend untherapierbar, erst in den letzten Jahrzehnten widmet sich die Therapieforschung zunehmend der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, nachdem die Entstehungsbedingungen schon seit etwa 100 Jahren zunehmend genauer erforscht wurden. Für einige Persönlichkeitsstörungen wurden spezielle Therapieformen entwickelt und evaluiert, so insbesondere die Dialektisch Behaviorale Therapie nach M. Linehan zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Da sich Persönlichkeitsstörungen regelmäßig gerade in konflikthafter Weise im zwischenmenschlichen Bereich manifestieren, liegt die ganz besondere Herausforderung in der Behandlung von Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung darin, diese im Therapieprozess häufig auftretenden Spannungen und Konflikte auszuhalten und mit zu tragen, und so den Patienten die Möglichkeit zu bieten, Konflikte konstruktiv zu bewältigen, neue Erfahrungen zu machen und somit langfristige günstige Veränderungen ihres Denkens, Fühlens und Handelns zu ermöglichen, ihr Spektrum an Möglichkeiten des Erlebens und Verhaltens zu erweitern und somit die oben beschriebene Einseitigkeit abzumildern.

Die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung erfolgt in erster Linie psychotherapeutisch. Medikamente kommen bedarfsmäßig bzw. symptomatisch zum Einsatz. Abhängig von der Ausprägung der Störung kann der Therapieprozess mehrere Monate bis Jahre umfassen und sollte schwerpunktmäßig lebensbegleitend ambulant erfolgen. Stationäre Aufnahmen sind häufig im Sinne von Kriseninterventionen erforderlich bzw. bei begleitenden komorbiden psychischen Erkrankungen wie oben erwähnt. Unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die Motivation und Veränderungsbereitschaft des Patienten.

Unser Behandlungsangebot für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen umfasst ein multimodales, individuell abgestimmtes Therapieprogramm, entsprechend der akuten psychiatrischen Erkrankung, die eine stationäre Behandlung erforderlich gemacht hat. Die Behandlung erfolgt anhand des kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatzes mit zahlreichen Elementen der Dialektisch Behavioralen Therapie nach M. Linehan und integriert psychodynamische, systemische und gestalttherapeutische Elemente. Speziell kommen körperorientierte und gestalterische Verfahren, Skillstraining einschl. Training Sozialer Kompetenzen zum Einsatz, darüber hinaus zahlreiche pflegetherapeutische Gruppen in einem speziell geschulten Team, das nach dem Bezugspflegekonzept arbeitet. Die Indikation zur ergänzenden Psychopharmakotherapie wird individuell gestellt.