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DR. MED. KURT FONTHEIM

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Angststörungen und Zwangsstörungen

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Häufigkeit von Angststörungen

Das Risiko, während seines Lebens an einer Angststörung zu erkranken, beträgt fast 30%; Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Häufig beginnt die Störung im jüngeren bis mittleren Erwachsenenalter. Eine unbehandelte Angststörung führt in 50% der Fälle zu einer zusätzlichen Depression, 30% entwickeln zusätzlich eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit; diese Komplikationen bergen wiederum ein beträchtliches Risiko für Suicidversuche und vollendete Suizide. In jedem Falle beeinträchtigt die Angststörung die Lebensführung sehr stark, die Betroffenen fallen oft aus dem Arbeitsleben heraus, und schließlich sind die alltäglichsten Abläufe wie einkaufen gehen, die Post erledigen, ja aus dem Haus gehen, subjektiv unmöglich.

Häufigkeit von Zwangsstörungen

Eine Zwangsstörung tritt mit etwa 2%iger Wahrscheinlichkeit seltener auf als die Angststörung, öfter schon ab dem Einschulungsalter, und hat im Prinzip die gleichen Auswirkungen auf die Lebensführung, und führt ebenfalls oft zu Depressionen, Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, zu Suizidversuchen und vollendeten Suiziden.

Symptome von Angststörungen

Eine Angststörung äußert sich im Auftreten von starkem Angstgefühl und in der Regel vegetativen Symptomen, wie Schwindel, Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Durchfall, Schlafstörungen und vielen anderen mehr. Die Symptomatik tritt mal mehr attackenartig (Panikstörung) auf, mal mehr chronisch (generalisierte Angststörung). In jedem Falle erreicht sie mindestens zeitweise eine maximale, unerträgliche Ausprägung. Von dem Betroffenen wird das Auftreten der Angst oft als grundlos und zusammenhanglos erlebt; dem ist aber nicht wirklich so. Das oft fehlende Verständnis der eigenen Angst ist in Wahrheit Teil des Problems.

Symptome von Zwangsstörungen

Eine Zwangsstörung kann sich im quälenden Kontrollieren müssen alltäglicher Verrichtungen wie dem Abschalten von Herdplatten, dem Verschließen von Türen etc. äußern, oder dem Immer-Wieder-Durchdenken-Müssen alltäglicher Angelegenheiten, oder dem Wiederholen ganz unsinnig erscheinender Tätigkeiten, wie Zählen von Gegenständen wie den Stuhlbeinen im Raum, den Streben eines Treppengeländers etc., aber auch in sich aufdrängenden Phantasien, das eigene Leben, die eigene Gesundheit oder das Leben der Angehörigen, seien bedroht. Ein Teil der Zwangskranken erlebt im Inneren aggressive Impulse, und das mitunter ausgerechnet den liebsten Bezugspersonen gegenüber. Diese Vorstellungen drängen sich ungewollt und quälend auf. Die Angst, so etwas wirklich zu tun (was in der Realität übrigens nie der Fall ist) und die Schuldgefühle, überhaupt so etwas Aggressives in sich zu haben, können die Betroffenen enorm belasten.

Ursachen von Angst- und Zwangsstörungen

Die Ursachen der Angst- und Zwangsstörung sind Gegenstand intensiver Forschung. Erbfaktoren scheinen in einem Teil der Fälle einen gewissen Einfluss zu haben, nicht aber in der Form, dass sie zur Krankheit führen müssen, sondern in der Art, dass, wenn andere Faktoren hinzukommen, sie die Wahrscheinlichkeit des tatsächlichen Auftretens erhöhen. Wirklich maßgebend für beide Störungen ist die sogenannte Prägungsphase der frühen Kindheit. Herrscht in dieser Zeit eine gute stabile Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson, so bildet sich ein ebenso stabiles Selbst im Innern aus, das in aller Regel später den allfälligen Krisen des Lebens standhält. Ist hingegen die Zuwendung in der frühen Kindheit nicht optimal, bildet sich ein sogenanntes angepasstes Selbst aus, das typischerweise eine Anfälligkeit für spätere Lebensereignisse auf der zwischenmenschlichen Beziehungsebene aufweist. Und so sind spätere Lebensereignisse wie Trennungen (Partnertrennung, Arbeitslosigkeit), Konflikte aller Art und Überforderungen (z. B. in der Versorgung der Kinder oder bei der Arbeit) der dritte wesentliche Bedingungsfaktor für eine Angst- oder Zwangsstörung. Solche Ereignisse sind meist der Beginn der schweren Symptomatik.

Typischerweise versteht nun der Betroffene auf seiner bewussten Ebene die Symptome nicht, wodurch der Leidensdruck nur noch größer wird, und er fängt an, die ursprünglichen Auslösersituationen zu meiden (z. B. auch in Form einer Krankschreibung). Dies aber führt durch eine psychische Gesetzmäßigkeit immer nur zur weiteren Steigerung und Ausweitung der Symptomatik, bis die kleinsten Alltagssituationen angstbesetzt sind, woraus sich die schon genannten Folgen wie Depression, Selbstbehandlung durch Alkohol oder Drogen, etc. leicht erklären lassen.

Behandlung

Grundsätzlich können Angst- und Zwangsstörungen psychotherapeutisch und medikamentös behandelt werden. Zur stationären Behandlung kommen meist schwere Verlaufsformen, bei diesen ist meist eine kombinierte Behandlung indiziert. Bei leichteren Verlaufsformen ist eine spezifische psychotherapeutische Behandlung allein oft sehr gut wirksam. Ein wesentliches Ziel der Psychotherapie ist es, die Symptome, ihren tieferen Sinn und ihren Zusammenhang mit der zwischenmenschlichen Beziehungsebene zu verstehen. Hierzu muss auch der lebensgeschichtlich prägende Hintergrund verstanden werden, der erst erklärt, warum die Symptome gerade jetzt auftraten. Auf der Basis dieses Verstehens geht es dann darum, eine Lösungsstrategie zu entwickeln, die grundsätzlich darauf hinausläuft, den früher nur Angst auslösenden Situationen des Lebens nicht weiterhin auszuweichen, sondern ihnen nun mutig entgegenzutreten. Die Psychotherapie von Angst und Zwang (in Einzel- und Gruppensitzungen) ist meist eine Verhaltenstherapie (legt den Schwerpunkt auf jetzige Verhaltensänderung), seltener eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (legt den Schwerpunkt auf die Ursachen). Diese beiden Hauptformen der Psychotherapie wachsen aber in der Praxis zusammen und können sich gut ergänzen. Ein solches kombiniertes Vorgehen wenden wir in unseren Tageskliniken und in unserer Ambulanz an. Die Dauer einer Psychotherapie ist individuell sehr verschieden und beträgt ca. sechs Wochen in der Klinik oder Tagesklinik. Daran sollte sich dann eine ambulante Therapie anschließen.